Dienstag, 23. April 2013

Bedingungsloses Grundeinkommen


Vor einiger Zeit hat mich eine Freundin mit dem Thema "Bedingungsloses Grundeinkommen" konfrontiert. Ich hatte vorher schon einmal davon gehört, es aber als Utopie abgetan. Nicht durchsetzbar. Und wer würde dann noch arbeiten gehen?

Nun vor den Bundestagswahlen flammt das Thema wieder etwas stärker auf. Also habe ich mich damit beschäftigt und muss sagen: Warum eigentlich nicht? In der Dokumentation oben (die leider durch einen recht monotonen Sprecher etwas langatmig ist) werden viele interessante Informationen gegeben.

Eigentlich ist die Idee doch gar nicht so schlecht. In einer vertechnisierten Welt, in der mehr Arbeitsplätze abgebaut, als geschaffen werden, brauchen wir doch auch neue Lebenskonzepte. Zudem ist es finanzierbar und gerecht, denn alle erhalten das gleiche Geld, um menschenwürdig leben zu können. Die Vorstellung "Nur wer arbeitet, darf essen." ist in einer Gesellschaft, in der es Menschen gibt, die teilweise nicht einmal von zwei Jobs wirklich leben können, völlig opsolet.
Wer dann die "Drecksarbeit" machen möchte? 
Also, beschissene Arbeit zu schlechten Bedingungen und niedrigem Lohn? Moderne Sklavenarbeit? Na, niemand. Entweder man vertechnisiert diese Arbeit oder man schafft bessere Bedingungen. Oder man muss es selbst machen. 
Wer dann noch arbeiten gehen würde? 
Ich vermute, die meisten werden das tun. Entweder um das Grundeinkommen aufzustocken oder um nicht gelangweilt in der Bude zu hocken. Zudem sollte man den Ehrgeiz und den Wunsch zur Selbstverwirklichung auch bei vielen nicht unterschätzen. Und wir haben jetzt schon viele Menschen, die arbeiten wollen, es aber nicht können. Natürlich gibt es immer "schwarze Schafe", aber wer partout nicht arbeiten will, der macht es auch heute nicht.

Ich glaube, dass dieses Konzepte noch etwas mehr in der Öffentlichkeit diskutiert werden sollte, aber die Richtung stimmt meiner Meinung nach. Was haltet ihr vom bedingungslosen Grundeinkommen? Ein Zukunftsmodell? Oder nur eine undurchdachte, naive "linke" Spinnerei? Würdet ihr noch arbeiten gehen?

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Die Gefahren sind, dass die Preise erhöht werden, da schließlich die Menschen generell mehr Geld besitzen, der soziale Status wird dann an anderen Kriterien gemessen, da sich Menschen gerne über andere profilieren (welche Arbeit wird zusätzlich verrichtet?), es können nicht alle Arbeiten (Dienstleistungen) von fortgeschrittener Technik übernommen werden (wer übernimmt solche Arbeiten?) und es ist fraglich, wie der Weltmarkt auf ein solches Land reagieren wird. Von der Einwanderungspolitik ganz zu schweigen, denn ein Land, in welchem Menschen ohne einen Finger zu rühren, Geld bekommen, ist etwas Feines. Der letzte Punkt wird leider bereits zu häufig ausgenutzt.

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    1. Wenn eine Erhöhung der Preise auch mit einer Erhöhung der Qualität zusammenhängt, ist es ja erst einmal nichts schlechtes. Aber natürlich müsste das Grundeinkommen den aktuellen Preisen angepasst sein. Aber müssten solche Regelungen nicht auch Aufgabe der Politik sein, damit politische Änderungen nicht durch den Markt wieder "zerstört" werden?
      Und natürlich können nicht alle Dienstleistungen von Maschinen übernommen werden. Aber es gibt ja auch Menschen, die gerne im Dienstleistungssektor arbeiten. Wieso sollten sie mit einem Grundeinkommen damit aufhören? Was die Einwanderungspolitik betrifft: Wieso glaubst du, dass Einwanderer häufig die sozialen Auffangnetze ausnutzen? Die meisten werden wohl ganz normal arbeiten. Und "schwarze Schafe" gibts immer, egal aus welchem Land sie kommen..

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  3. ein spannendes thema, das ich in meinem freundeskreis ebenfalls schon oft diskutiert habe. ich finde,leon gibt zwar viele gute kritikpunkte, an denen man arbeiten kann, aber gesamt gesehen scheint mir die steigerung der lebensqualität wesentlich wichtiger. es ist ja nicht so, als wäre das aktuelle einkommensmodell frei von irgendwelchen problemen oder gar fehlern...
    ich könnte mir aber schon vorstellen, dass dieses einkommen ausgenutzt würde, die einwanderungspolitik (so gerne ich für offene grenzen bin) braucht dann definitiv ein neues modell... wie das aussehen könnte, weiß ich zwar nicht, aber man könnte sich ja vorstellen, dass man einen job haben MUSS für so und so viele jahre oder ähnliches...nichts, woran sich nicht dauerhaft arbeiten liese!

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    1. Mh, vielleicht habt ihr recht und man müsste da neue Modelle schaffen, ohne natürlich Einwanderer grundsätzlich auszuschließen. Vielleicht so, dass man über einen gewissen Zeitraum das Grundeinkommen steigert und erst nach einer gewissen Zeit das volle Grundeinkommen erhält. Das man bis dahin also wirklich in Deutschland lebt und nicht nur auf der "Durchreise" ist. Aber generell ist dieses Konzept natürlich etwas, was in größerem Maße eingeführt werden muss. Womöglich kann man damit in Deutschland beginnen, aber natürlich sollte langfristig gesehen der Rest von Europa nachziehen. Und am Ende gibt es keinen Grund mehr, aus rein finanziellen Gründen in ein anderers Land zu ziehen. Das Ziel klingt natürlich noch utopisch, aber warum nicht erste Schritte in die richtige Richtung machen.

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    2. Ich hab heute noch mal drüber nachgedacht... Und was ich mich frage ist: wo ist das Problem mit den Einwanderern? Es sind immer noch Kaufkräfte, die wiederum die Wirtschaft mittragen würden. Das Geld wird ja nicht aus der Gesellschaft abgetragen. Wenn sich alle "wohlfühlen", würde es sicher auch mehr Kinder geben. Wo ist der Unterschied zwischen "mehr Kindern" und "mehr Menschen von Außerhalb"? Natürlich gibts ne natürliche Produktionsgrenze der Wirtschaft, aber da hast du ja schon in die richtige Richtung gezeigt, es gilt eine Ausweitung auf Europa...

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  4. Hi :)

    Danke für das eingebettete Video zu Grundeinkommen. Ich werd's mir auf jeden Fall ansehen. Ansätze zu politischen oder gesellschaftlichen Veränderungen, die auf unkonventionellen Gedanken aufbauen und nicht nur an Symptomen herumlaborieren, finde ich grundsätzlich interessant. Ob oder wie so etwas am Ende funktioniert muss man mal schauen.

    Und schöne Zeichnungen hier überall :)

    Liebe Grüße,
    Gregor

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    1. Das Video bietet auf alle Fälle viel Stoff zum nachdenken. Es lohnt sich. :-)

      Und danke! :-D

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  5. Hi,

    an sich eine interessante Idee, die allerdings, fürchte ich, noch nicht bereit ist für die Menschheit. :) Die Idee an sich steht ja dem Sozialismus recht nahe (nicht Kommunismus). Der leider bisher sich schon nicht durchsetzen konnte.
    Auch wenn es bestimmt viele Leute gibt die im Dienstleistungssektor arbeiten möchten, dürfte sich die Zahl derjenigen, die sich beim reinigen von Abwasserkanälen, beseitigen von Tierkadavern, putzen von Büros, aber auch beim kassieren an der Supermarktkasse selbst verwirklichen, in Grenzen halten.
    Man müsste also hier einen Anreiz setzten z.B. dadurch, das Grundeinkommen stark aufzustocken. Das wird aber nur jemand machen, wenn er dadurch einen Vorteil hat, sich also Sachen kaufen kann, die er sich sonst nicht leisten kann. Damit könnte man allerdings sofort erkennen wer arbeitet und wer nur ein Grundeinkommen bezieht. Womit die sozialen Unterschiede wieder da wären. Außerdem kann das nur funktionieren, wenn wir nicht mit dem Ausland handeln müssen.

    Auch wieder die Frage: Ist das eigentlich gerecht? An sich sollte ja der starke den schwachen unterstützen, wieder auf die Beine zu kommen. Ich denke man sollte eher an dieser Baustelle weiterarbeiten. :)
    Aber es schade ja nicht über alternative Modelle nachzudenken.

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    1. Die sozialen Unterschiede wären vielleicht da, aber a) ist dann jeder dafür selbst verantwortlich und kann das selbst in die Hand nehmen und b) würde niemand UNTER dem Existenzminimum liegen...

      Und natürlich ist es gerecht, denn gerade hier werden die Schwachen von den Leuten, die mehr leisten können und wollen mitgetragen.

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