Montag, 21. November 2011

Liebe Atheisten,

ich bin furchtbar enttäuscht von euch.
Jahrelang habt ihr über Gott und Kirche geschimpft. Schon als Jungendliche gab es nicht schlimmeres. Und auch als junge Erwachsene empörtet ihr euch über alles, was mit dem Thema zu tun hatte. Papst? Schwulenhasser. Priester? Phädophil. Bibel? Veralteter Mist.

Und dann wurdet ihr plötzlich "erwachsen". Nun rennt ihr scharenweise für eure Hochzeiten in die Kirche, um "ganz in weiß" den heiligen Bund der Ehe einzugehen. Begeistert bringt ihr euren Nachwuchs zum Taufbecken, damit es im Kommunionsalter auch "dazu gehört", wenn die Geschenke verteilt werden. Oder natürlich, um einen der begehrten Kindergartenplätze einer christlichen Einrichtung zu ergattern, für den ein wenig Wasser über den Kopf Eintrittsbedingung ist.

Jahrelang habt ihr euch über Missstände und die Diskriminierungen durch die Kirche aufgeregt. Aber ernsthaft auf sie verzichten wollt ihr auch nicht. Irgendwie schizophren, findet ihr nicht?

P.S. Verallgemeinerungen gehören zur künstlerischen Herangehensweise des bearbeiteten Themas "Merkwürdigkeiten im Verhaltens des homo sapiens" und sind nicht persönlich zu nehmen. ;-)

Kommentare:

  1. also ich werde weder kirchlich heiraten, noch werden meine kinder in irgendwelche christlichen einrichtungen gesteckt - ich bin mit überzeugung ausgetreten. also n bissl weniger verallgemeinerung wär auch nicht schlecht ;)

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  2. Sala hat alles gesagt was ich sagen wollte. :D In weiss heiraten kann ich auch im Standesamt. :

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  3. @SaLa: Es ging mir nicht darum zu verallgemeinern. Eigentlich hatte ich gehofft, dass aus dem Kontext klar wird, welche Gruppe ich im Speziellen meine. Es tut mir leid, wenn das nicht ganz klar geworden ist. ;-)

    Mir ist nur in letzter Zeit vermehrt aufgefallen, dass gerade Frauen bei der Vorstellung in weiß zu heiraten, plötzlich erzkatholisch werden und alles ganz "traditionell" wollen.

    @Sumi: Ja, aber dir fehlen die gotische Kirche, die weißen Tauben und die schlecht gestimmte Orgel im Hintergrund. ;-) Aber ansonsten hast du natürlich recht!

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  4. ja ich weiß schon du hast die möchtegern-atheisten gemeint, die kirche als lifestyleelement einbauen, wenn es ihnen passt und sonst dann eher ungläubig sind^^

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  5. @SaLa: Da bin ich aber froh. ;-)

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  6. Das ist leider Teil dieser "Postmoderne". Ein selektives Wertekonstrukt, dass sich das Beste vom Besten zusammenklaubt und pragmatischerweise mal ganze Sinnzusammenhänge ausblendet. Was zum Beispiel auch der Grund für den Erfolg einer Piratenpartei ist.
    Ein Andreas Reckwitz würde jetzt so argumentieren, dass das Individuum der Jetzt-Zeit so sozialisiert wird, dass er sich aus einem Netz an vielen kleinen Bausteinen eine Identität zusammenschustert, die unsere Gesellschaft und dem sehr eng gestrickten Markt von Konsumgütern zur Verfügung stellt. Und in solchen Bauklötzchen denken wir dann so ziemlich in allen Lebenszusammenhängen. Da werden mal eben ganze Traditionen oder historische Kontexte ausgeblendet, solange es dem Zweck dient...

    In der Hinsicht ist unsere gesamte Epoche schizophren.

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  7. Hach ja ich fühl mich immernoch irgendwie bestätig, dass ich mich einfach nicht hab konfirmieren lassen. Meine Großeltern waren empört darüber :D
    Aber ich sah in der ganzen Prozedur wenig Sinn. Ich sollte Monate lang zu irgendeinem Unterricht gehen, dann vor Zeugen der christlichen Gemeinde sagen, dass ich an Gott glaube, nur um dann 1000€ mehr auf meinem Konto zu haben?
    Ich fand die ganze Sache irgendwie doof. Und wer lässt sich heut zu Tage noch in die Kirche aufnehmen nur weil man so ein strenger Christ ist. Es geht doch allen nur um Geschenke und Geld. Ich hab dafür meine Freizeit genossen.
    Ich bin kein Freund von Gott und all diesen Anhängern die auf dieser Erde rumwuseln...aber auf Weihnachten möcht ich dann auch nicht verzichten :/ Hm...irgendwie schon heuchlerisch

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  8. ach, ich find das nicht unbedingt heuchlerisch. es ist ja nicht so, als würde man weihnachten jetzt nur aus christlichen werten heraus feiern. ich weiß ja nicht, wie ihr das macht, aber für mich war das in erster linie immer ein fest der familie. da kommt die großtante für 3 tage, mit der man witze reisst und geschenke austauscht, man besucht die besten freunde und verbringt gemütliche abende mit lebkuchen und plätzchen und denkt an die alten zeiten und hört chipmunk weihnachtslieder!
    das könnte man natürlich an jedem beliebigen anderen tag auch machen,aber allein schon, weil man da frei hat und die zeit nunmal auch kälter ist, rückt man da einfach noch einen zacken lieber zusammen.

    aber es ist eben auch immer die frage, was man SELBST daraus macht. wenn man jetzt wirklich nur auf die kohle oder die geschenke oder so abfährt, könnte man von heuchelei natürlich sprechen. und ich glaube ja auch, das man als kind gar nicht so die große freie wahl hatte, um sich dazu oder dagegen zu entscheiden. man glaubt an das, was man vorgelebt bekommt...

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  9. Früher sind wir an Weihnachten immer in die Kirche gegangen, aber seit gut 3 Jahren machen wir das nicht mehr.
    Egal wie man es feiert und aus welchen Motiven, egal ob nun christlich oder nicht. Weihnachten ist nunmal ein religiöses Fest, wo es man als überzeugter Atheist lieber die Finger von lassen soll.
    Aber ich bin ja kein Atheist :D

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  10. Also viele Atheisten kenne ich ehrlich gesagt auch nicht. Bzw. für mich macht das alles auch gar keinen Unterschied. Man mag ja nicht an Gott glauben (so wie ich), aber es gibt genug andere Dinge, die in einem durchaus Glaube hervorrufen (in Werte, in Menschen, in Überzeugungen) und denen man sowas wie einen freien Raum einräumen sollte. Wenn ich zu Weihnachten in die Kirche pilger, ich mich aber als Atheist bezeichne, ist das tatsächlich richtig zwispältig. Aber nur, weil ich mir einen Baum schmücke und mit den Liebsten zusammen komme, ist das für mich irgendwie noch kein Widerspruch.
    Und auch nicht bei einer normalen Hochzeit. Wie Raine schreibt, ist es erst dann problematisch, wenn man sich wirklich dogmatisch an christlichen Vorstellungen entlang hangelt. Aber eine Hochzeit selbst ist doch etwas, das einfach nur zwischen zwei Menschen statt findet und deren Ausgestaltung völlig offen und frei für die beiden Beteiligten gestaltet werden kann, ohne sie gleich in Gottes Hosentasche fallen zu lassen.

    Aber vielleicht gehe ich damit so "sorglos" um, weil Religion für mich schon immer weniger mit Gott zu tun hatte sondern viel mehr um die Vorstellung einer gemeinsamen Wertegemeinschaft. Die finde ich in sofern problematisch, in dem man irgendwelchen Werten unhinterfragt hinterherpilgert, statt sich zu durchdenken, worin diese Werte eigentlich fußen. Aber solche Religionen schenken ja auch Glauben, und Glaube ist Kraft. Wenn man in einer sehr schwierigen Situation steckt, kann man froh sein, wenn man eine, nennen wir es geistige Instanz hat, die einem durch eine solche Phase hilft... Das nonreligiöse Motive da besser sind, darüber muss man nicht reden, aber es gibt halt nur wenige Menschen, die in der Lage sind, sich solche Motive selbst zu schaffen. Viele verzweifeln daran, weil sie die Komplexität der Realität und die Irrelevanz des eigenen Seins nicht verkraften...

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  11. Mein Atheisten-Dasein beschränkt sich aufs Nicht an die Existenz Gottes glauben. Die Kirche ist mir egal, ich denk nicht großartig daran. Aber die Konfirmation habe ich trotzdem verweigert ;)

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  12. Tjao, nun als Katholikin, die durchaus in die Kirche geht, sich innerhalb der katholischen Gemeinschaft engagiert und natürlich in der Kirche geheiratet hat. Was soll ich sagen?
    Allerdings nehm ich auch nicht alles so ernst und erzkatholisch. Ich mag es mich mit dem Glauben auseinander zusetzen. Diesen auch kritisch zu hinterfragen. Jugendlichen bei der Firmvorbereitung eine kritische Herangehensweise zu vermitteln, aber auch den Spaß, den Glauben, die Werte und vorallem die Gemeinschaft.
    Ich bin christlich. Katholisch. Wobei die Institution Kirche vielen christlichen Werten widerspricht.
    Ich bin während der Zeit, in der ich nicht in dir Kirche gegangen bin, auch nicht an Weihnachten oder Ostern gegangen. Warum soll ich dann gehen, wenn ich sonst nicht gehe?
    Ich finde es jetzt aber auch schön, den Kindern die christlichen Werte mit auf den Weg zu geben.
    Und was passiert, wenn Werte heutzutage nicht mehr mitgegeben werden? Ja dann, fangen die Kinder bei biblischen Geschichten anzuweinen und bekommen Albträume, weil sie nicht mehr vermittelt bekommen haben, dass in den biblischen Geschichten sich alles zum Guten wendet. Das man auf Gott vertrauen kann.
    Wer Atheist aus überzeugung ist, der sollte auch nicht in weiß in der Kirche heiraten.
    Wobei ich nicht mal in weiß geheiratet habe - auch nicht normal in der Kirche ;)

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